Fotos folgen!
Nasrin berichtet:
Als Anfängerin im MTB-Renngeschäft (diese ist meine 1. Saison) sterbe ich vor jedem Rennen noch fast vor Aufregung. Wie anspruchsvoll wird die Strecke sein? Wieviel Prozent Steigung erwarten mich maximal? Werde ich wieder stürzen wie in Hellental? Oder mich verfahren wie beim Wehlaberg-Marathon? Die lapidare Auskunft: “Du hast Garmisch geschafft, was soll da noch passieren?” beruhigte mich nicht wirklich, denn immerhin trainiere ich höchstens 1-2 Mal die Woche im flachen Berliner Umland und das Unwegsamste, was mir hier im Wald vor die Reifen kommt, sind ein paar Meter Zuckersand samt vertrockneter Wurzeln.
Nun stand mir als Gaststarterin für das Team Bike-Planet Corratec als mein 6. Rennen die Salzkammergut Trophy in Bad Goisern, Österreich, bevor. Gewählt hatte ich die Streckendistanz “light”, mit 37 km und 1055 Höhenmetern genau das, was ich derzeit bewältigen kann. Die Trophy gehört schon einige Jahre zu meinen Lieblingsrennen – bislang immer aus Zuschauersicht, nun auch als Teilnehmerin. In brütend heißer Mittagshitze starteten wir 400 Fahrer als erstes auf einen langen, heißen Straßenanstieg, bei dem buchstäblich unsere Reifen am an manchen Stellen weich-flüssig gewordenen Asphalt klebten. So heiß war mir zuletzt vor 10 Jahren in Havanna gewesen – gefühlt quälten wir uns bei 50 Grad elendig langsam den Berg hinauf. Ich weiß nicht mehr, wie oft mir das Wort “Schatten” duch den Kopf ging – es half nichts, dieser war rar während der ersten Kilometer, die sich unendlich zogen.
Erträglicher wurde die Hitze, als endlich die erste Abfahrt kam und wir nach einigen Kilometern endlich im Wald landeten. Doch anders als auf der Garmischer Kurzdistanz, die fast auschließlich leicht zu fahrende Schotterabfahrten bot, erwarteten mich im Salzkammergut auch einige steile, sehr steinige Trails bergab. Anfangs war ich so ehrgeizig und wollte unter keinen Umständen vom Rad. Das gelang mir diesmal aber nur bergauf. Bergab musste ich nach einigen Abfahrten, die bei mir Schweißausbrüche hervorriefen, und einem leichten Sturz einsehen, dass ich mit meiner Angst, mich bergab zu überschlagen, besser mein Bike hinuntertrage. Womit ich in guter Gesellschaft war, denn vor und nach mir trugen ebenfalls viele ihr Rad – so ist das eben, wenn lauter Einsteiger eine nicht völlig anspruchslose Einstiegsstrecke fahren
Den psychologischen Effekt spürte ich jedenfalls deutlich: Sobald vor mir jemand fuhr, der es drauf hatte, traute ich mich auch eher, hinterher zu fahren. Hüpften die Leute vor mir vom Rad, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich von meinem Hardtail sprang, stark an.
Wenn mir die Geröllabfahrten mangels technischer Fertigkeiten auch nicht besonders lagen (und ich beschloss, dass ich endlich mal an einem Fahrtechnik-Camp teilnehmen will), hatte ich doch großen Spaß, bergauf zu fahren: Wenn viele andere schon schoben, schaute ich stur auf den Boden vor mir und leierte mantramäßig in Gedanken herunter: “Einfach kurbeln, kurbeln, kurbeln.” Immerhin, so stellte ich nach dem Rennen fest, habe ich schon einiges über Fahrtaktik gelernt. Und diesmal so regelmäßig getrunken, vorrauschauend Gels genommen und Magnesiumtütchen in mich hineingeschüttet, dass mir erstmals meine sonst obligatorischen Wadenkrämpfe erspart blieben.
Wenn ich nicht gerade hochkonzentriert nach der idealen Linie auf dem Trail suchte, war ich in Gedanken ständig bei den anderen aus dem Team: Markus, der schon seit 5 Uhr früh (!!!) auf dem Rad saß, weil er mal wieder die 210-er Strecke fuhr (meinen absoluten Respekt, ich sag sonst niemals nie, aber dazu schon), Uta und Thomas, die sich auch schon 3 Stunden länger als ich auf ihren Rädern quälten und denen der Salzberg, nicht wie mir, mit seinen über 30 Prozent bergan nicht erspart blieb. Am Ende kamen Thomas und ich auch noch trocken im Ziel an, während auf Uta und Markus noch heftige Sommergewitter-Regengüsse niederprasselten und das tolle Alpenpanorama sich schlagartig verdunkelte, um alsbald von hellen Blitzen im Minutentakt erleuchtet zu werden.
Zur Trophy selbst bleibt gar nicht viel zu schreiben. Außer, dass es ein tolles und vor allem top organisiertes Rennen in schönster österreichischer Berglandschaft mit einem begeisterten Publikum ist, das ich jedem nur empfehlen kann – Streckenlängen gibt’s von 27 bis 210 Kilometer, da ist also wirklich für jeden etwas dabei. Und wie immer ist nach dem Rennen vor dem Rennen. Bis zum EBM in Seiffen!
Und hier noch die Ergebnisse:
Markus Sommer 72. Gesamt (AK 36., 13:22:10 h)

Uta Sladeczek 20. Gesamt (AK 9., 08:28:13 h) – Foto: Sportograf

Thomas Hebestreit 191. Gesamt (AK 94., 07:21:11 h) – Foto: Sportograf
Nasrin Büttner: 24. Gesamt (AK 18., 02:56:02 h)