Berliner Außenposten in Bayern: Schmachvolles bei der XC-Meisterschaft

Thomas zieht nur noch schwarze Trikots an, sein Rad ist komplett mit Sprayfarbe unkenntlich gemacht und er trainiert nur noch im Dunkeln mit seinen schmerzenden Rippen. Kein Wunder, kehrte er doch voll Schmach aus Wüstenselbitz heim von der bayerischen Landesmeisterschaft im Cross Country. Hier sein Bericht:

In Bayern gehen die Uhren anders. Das fängt schon an, wenn ich in einem Anflug von Berliner Hochmut beim Bäcker zwei Brötchen bestelle. Eingepackt werden dann nicht zwei Brötchen, sondern zwei kleine Brote. Ganz ähnlich irritierend gestaltete sich mein Auftritt in Wüstenselbitz (Wo?) bei der bayerischen Landesmeisterschaft schon bei der Anmeldung: Da ich keine bayerische Lizenz besitze – wo gibts denn sowas? – mußte ich außer Konkurrenz starten, da ich der Einzige mit diesem “Problem” war. Hobbyfahrer? Fehlanzeige, gab es auch nicht. Die Herrschaften an der Anmeldung knöpften mir ohne Rot zu werden 25 Euro Startgebühr ab – ohne Verpflegung, Pastaparty oder sonstige Zugaben.
Ich sortierte mich also konkurrenzlos ganz hinten wie mir vom Veranstalter aufgetragen in die Startreihe ein. CC-Rennen sind ja von Hause aus nicht unbedingt meine Disziplin. Vor allem in Wüstenselbitz einfach zu kurz und durch fast senkrechte Abfahrten und Sprünge zu materialmordend für ein Trainingsrennen. Bei den Berliner CC-Rennen im letzten Jahr nicht ganz unerfolgreich, hoffte ich auf ein motivierendes Rennen, gutes Training und Rennluft als Vorbereitung auf den EBM – was sollte also passieren…
Eine ganze Menge. Ich startete also als Letzter auf den verwurzelten, technisch aber konditionell weniger anspruchsvollen Kurs, hielt Kontakt zum Ende des Feldes und setzte gleich nach einer halben Runde auf der Wiese des Fussballplatzes des FC Wüstenselbitz an, an vier Fahrern vorbeizufliegen. Ich fllog auch – aber nicht an denen vorbei, sondern nach unten. Nach einer gefühlten Mondumrundung knallte ich schmerzhaft auf den Rasen. Die rechte Kurbel krachte gehen irgendein kurzes Betonteil im Grase – und ich hob hab. Der Krater in der Kurbel reicht locker für die nächste Apollo-Mondmission als Trockenübungsgelände. Ich nahm dann mein schmerzendes Rad und meinen zerkratzten Körper und schlich mit stechender Schulter dem Feld hinterher – ein Preuße gibt nicht auf, schon gar nicht hier. Ich mußte unweigerlich an Kapitän Ahab denken.
Und nichts lief mehr rund. Als dann auch noch die Hinterradbremse durch den Sturz ausfiel, eierte ich fluchend (Die geneigten Zuschauer mögen mir verzeihen) um den Kurs, rutschte oft aus der Pedale und kam nicht mehr hinein, konnte vor Schmerzen kaum das Bike auf Kurs halten. Wie ich die steilen Abfahrten ohne Hinterradbremse meisterte, mag ich hier nicht beschreiben. Und bis zum Rennende – tata- blieb ich Letzter – Premiere für mich, das gab es noch nie. Und als wäre alles nicht bereits schlimm genug, handelte ich mir gar eine Runde Rückstand ein. Ich hätte eben keine Brötchen bestellen sollen.

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Eine Antwort auf Berliner Außenposten in Bayern: Schmachvolles bei der XC-Meisterschaft

  1. Janibal sagt:

    da hat sich die Reise ins benachtbarte “Ausland” ja wirklich gelohnt. Na immerhin sind die Brötchen nicht so klein wie hier. Wenn du weiter Mensch und Material ruinieren möchtest, versuch es doch mal 2011 hier http://mtb.bad-salzdetfurth.de/86.0.html
    da kannst du ohne Lizenz dt. Meister werden und nicht nur liz. Landesvater.

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